Kamerun
MS Office 365
Kamerun_02.jpg

Kamerun 2011/2012 - Erinnerungen an ein Begegnungsprojekt

Wichtig ist nicht, wo du bist, sondern, was du tust, wo du bist. (aus Swahili)

„Mister Neef!“ drang durch die schwüle, staubige, feuchte Wand aus Luft, gegen die wir am Douala International Airport liefen. Auf der Besucherterrasse stand ein ganzes Begrüßungskommando unserer Partnerschule Presbyterian Highschool Besongabang (PHS). Vierundzwanzig Weiße standen mitten im Chaos von fremden Menschen, Koffern und anderen kuriosen Gepäckstücken und wussten im Dunkel des Stromausfalls nicht, wem sie ihr Gepäck anvertrauen konnten.

Endlich saßen wir erschöpft und komplett durchgeschwitzt im Bus Richtung Limbe. „Nass, aber glücklich“ erklärten wir zu unserem Motto für die nächsten dreieinhalb Wochen. Aber das Abenteuer hatte ja gerade erst begonnen.

Im Hotel Seme Beach begrüßten uns am nächsten Tag frische Ananas, riesige Wellen des kühlen Atlantiks, schwarzer, feiner Lavastrand, ein Blick auf den aus Wolken und Nebel herausragenden Gipfel des Mount Cameroon und ein ordentlicher Sonnenbrand. Zwei paradiesische Tage waren notwendig, nicht nur, damit die Lehrer die letzten organisatorischen Dinge erledigen, sondern sich alle akklimatisieren und auf die anstehende Fahrt durch den Urwald mental vorbereiten konnten.

Uns und unser Gepäck hatten wir auf drei Vans verteilt und starteten so mit – wie wir später zum Teil schmerzhaft noch anders erfahren sollten – durchaus luxuriösen Platz- und Straßenverhältnissen Richtung Kumba. Mit gut gefüllten Bäuchen und mit Lebensmitteln, Küchengeräten und Matratzen völlig überladenen Bussen zogen wir unsere provisorischen Staubmasken über. Los ging‘s! Grün, soweit das Auge reicht – Und soweit Staub und Buckelpiste einen klaren Blick zuließen. Nach zwölf Stunden Durchschütteln bei afrikanischer Musik kamen wir endlich in Besongabang an.

Unsere Erfahrungen mit unseren neuen Freunden hier lassen sich kaum in Worte fassen. Sehen ist eben anders als erzählt bekommen – so ein kenianisches Sprichwort. Und doch wollen wir versuchen, euch teilhaben zu lassen:
Anna: Unsre Reise nach Kamerun war für mich ein einmaliges und besonderes Erlebnis. Zu sagen, was am besten, am schönsten oder am beeindruckendsten war fällt mir sehr schwer. Was mir allerdings immer in Erinnerung bleiben wird, ist das Lächeln der Kinder, ihre großen leuchtenden  Augen.  Na klar hört man von allen Seiten: „Oh die Kinder sind so süß, oh die Kinder sind so arm,…“ Und ich muss sagen, die Realität sieht genauso aus. Es ist beeindruckend, dass die Kinder dort trotz all ihrer Sorgen immer ein freundliches und glückliches Gesicht haben. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie ein europäisches Kind dort leben würde. Ich glaube, das wäre fast unmöglich. Die Kinder ab dem 3. Lebensjahr müssen  vier bis fünf Mal am Tag Wasser holen und dafür bis zu einem Kilometer ganz alleine laufen. Trotzdem sind sie immer am Lachen und froh darüber, überhaupt Wasser zu haben. Können wir uns das hier in Europa überhaupt vorstellen? Ich glaube nicht. Und die Kinder sind ehrlich. Sie sagten das, was sie meinen und lassen sich nicht von anderen beeinflussen. Trotz aller Armut und Einschränkungen sind sie echt, fröhlich, unverbraucht. 

Patrizia: Ja, es gab auch Streit. Als die Schulleiterin der PHS Besongabang aus einem Konflikt zwischen einem europäischen und einem afrikanischen Schüler eine halbe Katastrophe machte und diese öffentlich am Abend in einer großen Runde klären wollte,  herrschte maßgeblich Irritation über dieses Verhalten. Die Schüler hätten aus europäischer Sicht den Konflikt auch in einer nicht allzu großen Runde unter sich klären können. Trotzdem fanden wir uns alle am Abend zusammen. Zunächst ergriff die Schulleiterin das Wort und man merkte den Respekt der afrikanischen Schüler, aber auch die Angespanntheit der europäischen  Schüler, die sich über die Bedeutung dieses Abends bewusst waren. Die betroffenen Schüler erklärten ihren Standpunkt nach einander und auch die Schüler, die noch etwas beizutragen hatten, schalteten sich in das Gespräch mit ein. Wenn eine Person sprach, waren die anderen still und hörten ihm zu, so kam es zu einer ruhigen und verständnisvollen Diskussion. Als wir zu einem Schluss gekommen waren, fingen die Afrikaner an zu singen und zu tanzen. Irritiert und verwundert darüber, wie wenig nachtragend die Kameruner waren, wurde zuerst nur aus Höflichkeit mitgemacht, doch nach und nach hakten auch wir diesen Konflikt ab. Die darauffolgenden Tage waren die besten während unserer gesamten Zeit vor Ort.

Vanessa: Die Motorradtour durch den Dschungel! Mit 20 kameruner Bikern fuhren wir mit Vollgas querfeldein, über die staubige Landebahn bei Mamfe, dann mitten durch den Regenwald. Und immer zu dritt auf einem Gefährt! Auch neben der Arbeit hatte man in Kamerun für solche Dinge trotzdem Zeit. Fazit ist, dass diese Fahrt sich auf jeden Fall gelohnt hat und ich mir sicher bin, dass dies nicht mein letzter Besuch in Kamerun war.

Christian: Die emotionalsten Momente in Kamerun für mich waren meistens immer nur kurze Augenblicke. Wenn ich an die Zeit mit der Contact Group zurück denke, wird mir immer ganz warm ums Herz. Ich habe mich in so kurzer Zeit so sehr an die ganzen atemberaubenden Menschen gewöhnt, dass ich mich schnell wie zu Hause gefühlt habe. Kein Wunder, dass mir beim Anschauen unseres Musikvideos (so schlecht es auch sein mag) immer wieder auf Neue die Tränen kommen und ich einfach nur zurück will.

Auch die Zeit beim Arbeiten ging mit den neuen Freunden oder der neuen Familie ging so schnell rum, dass man denkt, man hätte noch nicht einmal begonnen, was unter anderem an den kleinen Scherzen und auch nett gemeinten Sticheleien lag, die ich immer noch vermisse.

Marius: Fast täglich sind wir durch Mamfe zum Markt oder zum Fluss gefahren. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man auf der Ladefläche des Pick-Ups sitzt und die Kameruner am Straßenrand einen anschauen und „white man, white man!" rufen.

Die meisten Emotionen verbinde ich aber mit der Contact-Group. Ich durfte auch einen besonderen neuen Freund finden, Brice. Nach und nach verstanden wir uns immer besser. Er war meine zweite Hälfte und hat mich perfekt ergänzt und ich ihn. Wenn ich an ihn denke, verbinde ich direkt den letzten Gottesdienst an der PHS mit ihm. Jeder sollte sich vorstellen und „faselte“ das Übliche. Bis Brice dran war und sagte, dass das Projekt das Beste war, was ihm passieren konnte, und er durch das Projekt keinen Freund gefunden hat, sondern seinen Bruder – mich. Immer wenn ich daran denke, kommen mir sofort Tränen in die Augen. Der Abschied war dementsprechend traurig. Da ich vor zwei Jahren schon einmal in Kamerun war, wusste ich, wie schwer es wieder sein wird, sich zu verabschieden. Während des Aufenthalts an der Schule, haben sich ein paar holländische Schüler darüber lustig gemacht, dass ich vor zwei Jahren weinen musste, darunter auch Thom. Bei der Abfahrt saßen wir im selben Bus. Ich saß hinten und konnte mir das Weinen nicht verkneifen. Nach ca. 100 gefahrenen Metern drehte sich Thom, der eigentlich immer ganz cool wirkte, um und sagte mit Tränen in den Augen: „Jetzt weiß ich, warum du vor zwei Jahren weinen musstest“.

Nochmal Christian: Von dem Abschied will ich eigentlich gar nicht reden. Er war aber wohl der emotionalste Moment der gesamten Reise. Bei dem Gedanken, dass man seine Freunde wahrscheinlich niemals wieder sieht, wird mir einfach nur schlecht und ich bekomme Angst, dass ich die Zeit mit ihnen nicht gut genug genutzt habe. Besonders rührend ist dabei auch, dass die Tränen auf beiden Seiten flossen, was zeigt dass wir ihnen auch wichtig waren.

Der letzte Blick aus dem Fenster des Busses auf die Gruppe war wahrscheinlich der letzte Blick auf sie überhaupt.

  • k-benjamin a 361
  • k-dsc03804
  • k-dsc_0371
  • k-dsc_0783
  • k-dscn0536
  • k-img_1018
  • k-img_1125
  • k-img_1238
Unsere Adresse:
Bodelschwingh GymnasiumHerchenBodelschwinghstraße 2D - 51570 Windeck
So erreichen Sie uns:
Tel.: 02243-9204-0Fax: 02243-6841E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Das Bodelschwingh Gymnasium

Willkommen auf der Homepage des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig und bietet in der Sekundarstufe II den Schülerinnen und Schülern ein weitgefächertes Leistungs- und Grundkursangebot.