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„Meinungsbildung vs. Meinungsmache – Wie politische Ansichten entstehen“

von Ulrich Wendland

Ca. 300 Schülerinnen und Schüler des Bodelschwingh-Gymasiums Herchen saßen am Mittwoch konzentriert und aufmerksam in der Aula und verfolgten eine brisante Podiumsdiskussion zu einer komplexen Thematik. Wie entstehen Meinungen? Wie kann man eine sachgerechte Haltung zu politischen Sachverhalten entwickeln? Wie manipulativ sind die Medien? Wie schwierig ist es, die Wahrheit herauszufinden?

Diese und ähnliche Fragen waren am Vormittag zuvor in einer Vielzahl von Arbeitsgruppen engagiert diskutiert worden. Initiiert und durchgeführt wurde auch dieser zweite Teil der diesjährigen Aktionstage von der SV unserer Schule nach einer Interessensabfrage in der Schülerschaft des Bodelschwingh-Gymnasiums, die sich für dieses Thema ausgesprochen hatte.

Auf der Grundlage ihres Gedankenaustausches hatten die Schülerinnen und Schüler nun die Möglichkeit, ihre Fragen den Vertreterinnen und Vertretern der Parteien, die in unserem Landtag vertreten sind und weiteren Institutionen zu stellen. Ihnen stand dabei ein Kreis von fachlich versierten Experten Rede und Antwort. Dazu zählten Herr Achtermeyer (Bündnis 90/Die Grünen), Herr Harms (ehem.Lehrer), Herr Israel (Universität Düsseldorf), Herr Dr. Katzidis (CDU), Herr Quiring (Kölner Stadtanzeiger) und Herr Dr. Vincentz (AFD).

Bei der nunmehr stattfindenden Fragerunde wurden die unterschiedlichsten Probleme angesprochen. Im Vordergrund stand dabei die grundsätzliche Überlegung, wie man auf der Suche nach Informationen „wahre" und „falsche" Sachverhalte erkennen kann, da gerade die Existenz des Internets dieses alte Problem noch einmal verschärft hat. Herr Dr. Katzidis gab eine erste allgemeingültige Antwort, indem er betonte, dass Informationen niemals unkritisch übernommen werden sollten, sondern stets zu hinterfragen seien, was mittels der Nutzung verschiedener Quellen schnell umgesetzt werden könne. Ergänzend fügte Herr Quiring hinzu, dass es auch notwendig sei, sich bei falschen Inhalten immer auch bewusst zu machen, welcher Art die Fehlinformation ist. Der Begriff „fake news" sei dafür viel zu unscharf. Bei Desinformationen sollte stattdessen z.B. möglichst genau zwischen „fehlerhaften Informationen", „unsinnigen Nachrichten", „bewussten Lügen" und „gezielter Propaganda" differenziert werden, da dadurch die Absicht des Verfassers und die Zielsetzung seiner Information besser erkannt werden könnten.

Das Erkennen von Desinformationen ist natürlich gerade auch im politischen Bereich wichtig. Blickt man z. B. auf die Postings der Parteien, erkennt man, wie viele Informationen einzelne Parteien im Internet veröffentlichen und wie viele davon einer genaueren Klärung bedürfen. Als Beispiel wurde das sogenannte „negativ campaigning" der AFD zum Holocaust-Denkmal genannt. Hier ist es nach Ansicht Herrn Achtermeyer nützlich, vor allem auch auf andere Medien, insbesondere unterschiedliche Printmedien, zurückzugreifen, um deren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können, da verschiedene Medien häufig unterschiedliche Perspektiven zu einem Sachverhalt einnehmen und man auf diese Weise ein umfassenderes und komplexes Weltbild entwickeln könne. Dem widersprach Herr Dr. Vincentz mit der These, dass die Wahrheit oft eine Ansichtssache sei, woraufhin Herr Schröder das Beispiel des „negativ campaigning" aufgriff und daran seine Meinung erläuterte, dass Leser in der Regel weniger ihrem „Kopf" und viel häufiger ihrem „Herzen" folgen, weshalb gerade die hochemotionalen Darstellungen und die bewussten Provokationen schnell Aufmerksamkeit finden. Umso wichtiger ist bei diesen Informationen eine sachlich-kritische Auseinandersetzung.

Hilfreich sind nach Ansicht von Herrn Katzidis auch der Weg aus der virtuellen Welt des Internets in die Realität und die Begegnung mit den konkreten Menschen / Politikern, deren Glaubwürdigkeit auf diese Weise viel besser überprüft werden könne, zumal wir nach Aussage von Herrn Harms „natürlich" von Amateuren wie professionellen Bewusstseinsmanagern manipuliert werden. Hier helfe auch eine breite Bildung, z.B. anhand solcher Buchklassiker wie „Schöne neue Welt", dabei, sich grundsätzlich die Gefahr einer Manipulation bewusst zu machen.

Aber auch nicht bewusst manipulative Quellen sind problematisch, ergänzte Herr Israel, der an der Universität Düsseldorf an der Entwicklung des „Wahl-o-Mattes" beteiligt war. Er verwies darauf, dass die Wahlvorschläge des „Wahl-o-Mates" nur als Impulse verstanden werden können, die einer weiteren Ergänzung – neben solchen Möglichkeiten wie dem „Kandidaten-Check (am besten in der Realität mit den Vertretern der Parteien und ihren Programmen) bedürfen.

Im Hinblick auf die Entwicklung politischer Ansichten betonte abschließend Frau Zorlu außerdem auch die Notwendigkeit einer aktiven Teilnahme an politischen Prozessen, da Demokratie Engagement braucht.

Diesen und weiteren Erläuterungen folgten die anwesenden Schülerinnen und Schülern wie gesagt mit großem Interesse, so dass es der SV mit Unterstützung von der Schulleitung und der Fachschaft SoWi/Politik mit dieser Aktion gelungen ist, kritisches Denken und damit die Mündigkeit unserer Schülerinnen und Schüler zu fördern.



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Das Bodelschwingh Gymnasium

Willkommen auf der Homepage des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig und bietet in der Sekundarstufe II den Schülerinnen und Schülern ein weitgefächertes Leistungs- und Grundkursangebot.