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Erfahrungen aus dem deutsch-mongolischen Begegnungsprojekt 2017

von Merle Gerhards, Stufe 10

Meine Familie und ich sind dieses Jahr zum ersten Mal dabei gewesen; wir hatten also keine Vorstellung davon, was uns genau erwarten würde. Aber eben diese Neugierde war für uns der Grund, am diesjährigen deutsch-mongolischen Begegnungsprojekt teilzunehmen. Nun liegt die Abreise der mongolischen Austauschschüler schon wieder einige Monate zurück; Zeit also, einzelne unserer Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen ... Das erste Abendessen war wohl gut angekommen. Jedenfalls waren die Nudeln, der Topf mit der Bolognesesoße und die Teller zum Schluss alle leer. Ein erster Teil der Anspannung ging damit ebenfalls verloren. Nach dem Essen überraschte uns unsere Austauschschülerin mit tollen Geschenken aus der Mongolei. Jeder bekam mehrere kleinen Päckchen in die Hand gedrückt. Darunter traditionelle Kleidungsstücke aus Kamelwolle, kleine Filzjurten, ein Wandbild und sogar ein mongolisches Schachspiel, ebenfalls aus Filz gefertigt und - nicht zu vergessen - der "Chingis Chan", ein mongolischer Wodka. Mit so vielen unterschiedlichen Präsenten hatten wir wirklich nicht gerechnet. Und dank dessen verflog auch der übriggebliebene Rest Nervosität bei jedem von uns.

Die nächsten Tage waren leider alle sehr verregnet. Deshalb hielten wir uns die meiste Zeit im Haus auf. Wir kramten alle möglichen klassischen Gesellschaftsspiele aus den Schränken heraus und spielten fast ununterbrochen. Besonders das Gedächtnisspiel „Mastermind" hatte es unserer Austauschschülerin angetan. Mit meiner Mutter spielte sie es jeden Tag mehrere Runden, aber auch Spiele wie „Malefiz", „Rumicub" und „Kniffel" standen weit oben auf der Liste. Einige von ihnen sind sogar als Souvenir mit in die Mongolei gewandert und wir haben die Rückmeldung erhalten, dass sie dort auch sehr gerne und oft gespielt werden.

Mindestens genauso offen wie für unsere Spiele, war Khongorzul Altankhun auch für deutsches Essen. Wir kochten gemeinsam mit Kartoffeln, frischem Gemüse, Gerichte mit Sauerkraut und vielem anderen. Bei einem Geburtstag, bei dem Khongorzul dabei war, wurde allen Grünkohl und Pinkel aufgetischt. Dieses typisch norddeutsche Essen isst selbst in unseren Kreisen lange nicht jeder, desto erstaunter waren wir, als sie mehrfach davon nachnahm.

Eine interessante Beobachtung war für uns auch die mongolisch Haltung gegenüber Haustieren. Schon durch unseren vorherigen E-Mail Kontakt war sie auf unseren Bernhardiner und dessen Gutmütigkeit vorbereitet. Trotzdem verhielt sie sich dem Hund gegenüber zunächst auffallend reserviert und wich dessen Streichelaufforderungen und Begrüßungen aus. Zu unserem großen Erstaunen haben wir nach und nach erfahren, dass ihre beide Hunde zu Hause scheinbar nur in einem kleinen Verschlag leben und wohl mehr oder weniger das Sonnenlicht nie zu Gesicht bekommen; noch nicht einmal einen Namen haben sie. Umso schöner war die Entwicklung, wie Khongorzul zum Ende hin dann doch unsere „Molly" herzlich streichelte und sich von ihren treuen Blicken einwickeln ließ. Hingegen gab es bei den Pferden von Beginn an keine nennenswerten Berührungsängste, wohl aber war sie von deren Größe wahnsinnig beeindruckt. Überdies seien sie verglichen mit denen aus der Mongolei nicht nur riesig sondern auch richtig „fett".

Der diesjährige Aufenthalt der Mongolen in Deutschland fiel mitten in die fünfte Jahreszeit und es zeigte sich schnell, dass unsere Gäste den „Jecken" und ihren Bräuchen sehr zugetan waren. Die bunt gestalteten Wagen und die Musik fanden bei allen große Begeisterung. Bei einem der örtlichen Karnevalsumzüge standen wir verkleidet am Straßenrand. Mit weit geöffneten Tüten in der vordersten Reihe rief unsere Mongolin durchgehend: „Kammella, Kammella!!!" und füllte eine Tüte nach der anderen mit Süßigkeiten. Durch die Gardetanzauftritte meiner Schwester hatte sie zudem die Möglichkeit, an mehreren Karnevalssitzungen rund um Windeck teilzunehmen und für uns war es amüsant, sie alsbald beim Mitsummen kölscher Melodien beobachten zu können und dass sie sich wie selbstverständlich durch die Menge zum „Alaaf" mitreißen ließ.

Da wir selber jedoch nur mäßig karnevalsbegeistert sind, haben wir die schulfreien Tage für einen Kurztrip an die Nordsee genutzt. Das war für Khongorzul sicherlich ein besonderes Erlebnis, weil sie davor noch nie am Meer gewesen war. Am Strand sammelte sie eifrig Muscheln, hatte Spaß daran, ihren Namen in den Sand zu schreiben und eröffnete zu unserer Überraschung eine „Schneeballschlacht" mit Sand, die im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig ins Auge ging.

Weniger in die Augen, sondern vielmehr in die Nase gelangten meinem Bruder die verschiedenen Düfte der Parfüme, die sie so gerne ausprobierte. Denn während einer Shopping-Tour durch Siegburg, bei der er sie begleitete, habe sie sich - so erzählte er mir später - stundenlang durch unzählige Parfümsorten „durchgeschnüffelt", deren Gerüche sich untereinander mischten und überall verteilten. Bei so vielen Möglichkeiten hat man schließlich die Qual der Wahl, womit auch direkt den Übergang zu einem weiteren nennenswerten Punkt geschaffen ist.

Das Motto, unter dem das diesjährige Begegnungsprojekt stattgefunden hat, hieß „Die Wahlen in Deutschland 2017". Auf dem Programm standen unter anderem Ausflüge nach Düsseldorf in den Landtag und in das Bonner Haus der Geschichte. Mithilfe der dabei gewonnenen Informationen bereiteten die mongolischen Gäste einen gemeinsamen Vortrag vor, der uns Gastfamilien bei der Abschiedsfeier, dem "Lunar-Fest" im Bistro unserer Schule vorgestellt wurde. Ich denke, ich spreche für alle deutschen Teilnehmer, wenn ich sage, dass wir äußerst beeindruckt waren, als die Mongolen uns auf Deutsch unser eigenes Politiksystem erklärten und uns teilweise unsere eigene Nationalhymne vorsangen. Dass ein solches Ergebnis nicht zufällig zustande kam, zeigte sich auch in den Alltagsschilderungen Khongorzuls. Für uns ist es kaum vorstellbar, aber in der Mongolei ist das Lernpensum tatsächlich so hoch, dass sie jeden Tag von fünf Uhr nachmittags bis um Mitternacht für die Schule lernt und arbeitet.

Insgesamt gingen die vier Wochen doch sehr schnell vorbei.Beim Abschied um drei Uhr morgens am Herchener Bahnhof taten wir uns alle etwas schwer, doch die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen im nächsten Sommer erleichterte das Auseinandergehen.

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Das Bodelschwingh Gymnasium

Willkommen auf der Homepage des Bodelschwingh-Gymnasiums in Herchen. Wir sind ein staatlich anerkanntes Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft. Die Schule ist in der Sekundarstufe I dreizügig und bietet in der Sekundarstufe II den Schülerinnen und Schülern ein weitgefächertes Leistungs- und Grundkursangebot.